Streitfall Vogelgrippeerreger
Kann ein Supervirus auch Vorteile bringen? Zum ersten Mal hat die US-Behörde für Biosicherheit (NSABB) verlangt, dass Details einer Studie nicht wie üblich in einem Wissenschaftsmagazin veröffentlicht werden. Dabei handelt es sich um Informationen über einen hochansteckenden und tödlichen H5N1-Virus, der im Labor kreiert wurde. Er wurde so verändert, dass er von Mensch zu Mensch, auch über Tröpfcheninfektion übertragbar ist.Das Veröffentlichungsverbot beruht auf Angst, dass Terroristen die Baunaleitung des Supervirus als Biowaffe missbrauchen könnten. Wissenschaftliche Erkenntnisse wie diese, können jedoch auch dazu beitragen wirksame Therapien und Impfstoffe zu entwickeln und sollten nicht zurückgehalten werden.
Wie sicher sind die Labors?
In der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Nature wurde aufgrund der kontrovers geführten Diskussion um die Veröffentlichung der brisanten Informationen, eine Debatte um Nutzen und Risiken von in Labors gezüchteten Krankheitserregern und die Sicherheit dieser Labors, entfacht.
Lynn Klotz vom Center for Arms Control and Non-Proliferation und Ed Sylvester von der Universität von Arizona finden die Sicherheitsstandards dort sehr schlecht. Künstlich erzeugte Infektionen aus Laboratorien würden sich leicht verbreiten, so die Wissenschaftler.
Als Beispiel nennen sie das SARS-Virus, mit dem sich im Jahr 2004 zwei Labormitarbeiter infiziert und sieben weitere Personen angesteckt hatten. Eine Person davon starb.
Die Forscher Klotz und Sylvester untersuchten 42 Laboratorien, in denen mit ansteckenden und tödlichen Erregern experimentiert wird. Ihre Ergebnisse sind erschreckend.
Wie hoch ist das Risiko, dass gefährliche Erreger aus Laboratorien entweichen?
Aus mindestens einem von 42 Laboratorien dringt mit einer Wahrscheinlichkeit von 34 Prozent eine Infektion innerhalb eines Jahres nach aussen. Innerhalb von vier Jahren steigt diese Wahrscheinlichkeit auf 80 Prozent. Die Ergebnisse stützen sich jedoch nur auf Erfahrungswerte.
Dennoch empfehlen die Forscher, dass Labormitarbeiter solange in eine strenge und obligatorische Quarantäne müssen, bis einwandfrei klar ist, dass sie nicht infiziert sind.
Der Experte Know-Yung Yuen von der Hongkonger Universität plädiert ebenfalls dafür, solch brisante Informationen nicht zu veröffentlichen. Zu gross sei das Risiko, dass gezüchtete Mutanten zu einer globalen Gefahr werden, wenn sie versehentlich auf Tiere oder Menschen springen.
Er empfiehlt, dass Direktoren aller Gesundheitslabors, die zur WHO gehören, Zugang zu den Informationen bekommen, aber nur nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung.
Doch es gibt auch andere Stimmen, die die Sicherheitsbedenken zerstreuen. Im Gegenzug betonen manche Experten den Nutzen derartiger Forschungsresultate um wirksame Therapien und Impfstoffe entwickeln zu können.
Ist die Gefahr des Vogelgrippevirus gebannt?
Anfang dieses Jahres starb ein Chinese an einem H5N1-Virus. Lt. der WHO haben sich seit 2003 573 Menschen mit H5N1 angesteckt. Die Überlebenschancen sind bei einer Ansteckung des gefährlichen Erregers gering, sechs von zehn Infizierten sterben.
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